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Das Pferd ist mit seinen Verdauungsorganen auf die Aufnahme von Pflanzen aus der Gras- und
Waldsteppe ausgelegt. Neben den Gräsern gehört auch die Luzerne zur natürlichen Futtergrundlage
der Ahnen unserer Hauspferde.
Aufgrund der großen Bedeutung, die die Pferdehaltung vor der Mechanisierung in der Landwirtschaft, im Transportgewerbe und beim Militär hatte, kann man auf eine reiche Tradition von Futterrezepten und -zusammenstellungen zurückgreifen.
Je nach Standort, Saison und Transportmöglichkeiten wurden sehr unterschiedliche Futtermittel eingesetzt; es wurden keineswegs nur Heu und Hafer verwendet. Auch die Geschichte des Mischfutters ist viel älter als viele Pferdehalter vermuten. Es gibt Hinweise auf die Produktion von und vor allem für Kavalleriepferde um die Zeit der Befreiungskriege, zum Beispiel in England, Russland und Preußen. Von einer industriellen Pferdefutterproduktion kann man ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgehen. Es handelt sich hierbei meist um Backwaren aus Getreide- und Leguminosenmehlen.
Grundlage der Fütterung ist nach wie vor Raufutter (= Grundfutter) von einwandfreier Qualität (Heu, Stroh, evt. Silagen). Zusätzlich muss in Abhängigkeit von der Leistung Krippenfutter ("Kraftfutter") angeboten werden.

Die Mechanisierung ließvorläufig die Produktion industrieller Pferdefutter in den Hintergrund treten, bis die Entwicklung des Reitsports in den letzten 30 Jahren zu einer erneuten Blüte industriell hergestellter Pferdefutter führte. Daneben spielen jedoch auch noch Einzelfuttermittel eine gewisse Rolle. Wir verfügen heute über eine Vielzahl von Futtermitteln, die in Abhängigkeit von Alter, Belastung und speziellen Ansprüchen eingesetzt werden können.

Gründe zur Entwicklung industrieller Pferdemischfutter
Die industriell hergestellten Pferdefutter boten zahlreiche Vorteile, die auch heute noch Gültigkeit besitzen:
  • Die Aufbereitung durch Quetschen, Schroten, Mahlen und/oder Erhitzen vereinfacht das Mischen unterschiedlich strukturierter Komponenten
  • Nutzbringender Einsatz auch weniger verdaulicher Futtermittel
  • Rohstoffe ergänzen sich in der Wirkung
  • Stärkeaufschluss
  • Geschmacksverbesserung
  • Erhöhung der Lagerfähigkeit (bis 18 Monate)
  • Höheres Transport- und Lagervolumen
  • Vielfältige Anwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten
Eine Übersicht entsprechend dem Verwendungszweck zeigt das folgende Schema. Verkehr und Verwendung werden im Futtermittelgesetz und in der Futtermittelverordnung geregelt.
Problematisch ist der Begriff Alleinfuttermittel, da jedes Kraftfutter nur in Ergänzung zu
ausreichenden Mengen an Rauhfutter eingesetzt werden darf.
Die Verwendung von Vitaminpräparaten ist zur Zeit futtermittelrechtlich nicht eindeutig geregelt.
Ergänzungsfutter für Sportpferde sind durch höheren Energiegehalt (> 11,5 MJ verdauliche Energie/kg) und Rohfasergehalt um 10 % gekennzeichnet. Der Einsatz unserer Pferde ist heute sehr vielseitig. Die Rationsgestaltung für die verschiedenen Leistungsanforderungen ist nur zum Teil wissenschaftlich untermauert. Eine große Rolle spielen empirisch abgeleitete Grundsätze und Traditionen. Die Pferdehalter erwarten spezifische Rezepturen für ihre Sportart.
Entscheidend für den Energieverbrauch sind unabhängig vom Verwendungszweck das Tempo und die Dauer der Belastung. Von Bedeutung sind ebenfalls Bodenverhältnisse, Trainingszustand des Pferdes, Gewicht und Können des Reiters.
Spezielle Anforderungen an Futtermittel für Sportpferde
Futtermittel für Sportpferde haben die Aufgabe, in Ergänzung zur Grundration auf Rauhfutter den Nährstoffbedarf für Erhaltung und Leistung abzudecken. Der Energiegehalt sollte über 11 MJ verdauliche Energie je kg Futter liegen. Gleichzeitig soll eine Eiweißüberversorung, die den Stoffwechsel belastet, vermieden werden. Beachtung verdient jedoch auch die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren, vor allem bei einseitigen Getreiderationen.
Besonders für Rennpferde sind stärkereiche Rationen vorherrschend, wobei industriell hergestellte Futtermittel große Vorteile im Hinblick auf die präcäkale Verdaulichkeit der Stärke aufweisen. Aus der Praxis kommt die Forderung nach höheren Fettanteilen, besonders bei Dauerbelastungen scheinen Fettrationen vorteilhaft zu sein (Distanz- und Militarypferde). Im Hinblick auf die Mineralstoff-versorgung ist neben der Calciumversorgung besonders der Ausgleich der Elektrolytverluste bei stark schwitzenden Pferden von Bedeutung (Natrium). Magnesium dämpft die Überregbarkeit. Bezüglich der Spurenelementenversorgung sind die Gehalte an Eisen, Kupfer und Selen zu beachten.
Bei Hochleistungspferden besteht erhöhter Bedarf an Vitaminen B1, B2, B6, B12, Pantothensäure und Nikotinsäure sowie Vitamin E (Meyer 1995).

Anforderungen an Mischfuttermittel bringen Probleme
Es wird eine besonders hohe Energiedichte bei niedrigem Proteingehalt
angestrebt (5 g verdauliches Eiweißje MJ verdaulicher Energie).
Bei Optimierung nach diesen Kriterien entstehen leicht unphysiologische
Rezepturen unter Betonung ungeeigneter Stärketräger. Höhere Fettzusätze erhöhen die Energiedichte zwar, die Futterakzeptanz geht vor allem bei längerer Lagerdauer jedoch zurück, die Haltbarkeit der Futtermittel sinkt.
Höhere Fettzusätze sind nur im Hochleistungssport gerechtfertigt.
Bezüglich der optimalen Mineralstoff-, Spurenelement- und Vitaminversorgung gehen die Anschauungen der Kunden und der Ernährungsphysiologen weit auseinander. Hohe Gehalte an Wirkstoffen werden häufig vom Kunden nur als vorteilhaft gesehen ("Viel hilft viel" -Mentalität).
Die amtliche Deklaration der Futtermittel ist für den Verbraucher nicht transparent genug und bietet zur Zeit wenig Spielraum für eine bessere Kundeninformation. Geringe ernährungsphysiologische Grundkenntnisse und eine zunehmende Technikfeindlichkeit führen zum Teil zu Mißverständnissen und gewissen Vorbehalten gegenüber Mischfuttern, vor allem, wenn die Komponenten nicht sichtbar sind.

Stärkeaufschluss ist wichtig
Der Einfluss einzelner Futtermittel auf die Leistung bei Pferden wird in der Praxis häufig überschätzt. Industriell hergestellte Mischfutter enthalten meist eine ausgewogene Mischung der in der Übersicht enthaltenen Futtermittel.
Durch die Kombination verschiedener Futtermittel werden die Nachteile einzelner Futtermittel ausgeglichen und der Gefahr einer einseitigen Mangelernährung wird vorgebeugt. Entscheidend ist die Auswahl hochwertiger, hygienisch einwandfreier Rohkomponenten.
Hochleistungspferde haben einen hohen Bedarf an Energie, der zum großen Teil aus Stärke gedeckt werden kann. Das Pferd besitzt allerdings kein stärkespaltendes Enzym im Mundspeichel, außerdem ist die Kapazität der Stärkeverdauung im Dünndarm aufgrund der geringen Amylaseaktivität im Vergleich zu anderen Tierarten gering. Vor allem Gerste und Mais sind in unbehandeltem Zustand im Dünndarm schwer verdaulich. Unverdaute Stärke führt im Dickdarm zum Absinken des pH-Wertes. Abgestorbene Darmbakterien bilden Toxine, die Schleimhaut wird geschädigt.
Das Auftreten von Hufrehe wird begünstigt, da die Toxine über den Blutkreislauf in die Extremitäten gelangen. Hufrehe ließsich experimentell durch Infundieren von Maisstärke in den Dickdarm auslösen.
Es gibt verschiedene Arten des Stärkeaufschlusses. Die Wirkung des Quetschens ist minimal, selbst das Schroten hat keine große Auswirkung.
Erst eine Hitzebehandlung führt zu einer nennenswerten Erhöhung der Verdaulichkeit der Stärke. Eine verbesserte Stärkeverdauung erhöht die Ausnutzung der im Futter vorhandenen Energie.

Spezialpräparate
Pferde werden heute im Sport sehr viel stärker beansprucht. Für über den normalen Bedarf hinausgehende Ansprüche und für besondere Mangelsituationen hat sich der Einsatz von verschiedenen Vitaminpräparaten und Diätfuttermitteln bewährt. Eine Auflistung verschiedener Spezial- und Diätfuttermittel (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) finden Sie in der nachfolgenden PDF enthaltenen Tabelle.

Hygienische Anforderungen
Alle Futtermittel sind von Verderb bedroht. Sorgfältige Ernte und Lagerung vermindern die Gefahr des Befalls mit Bakterien, Schimmelpilzen, Hefen und Milben. Besonders Hafer ist sehr anfällig gegenüber diesen Schadorganismen.
Die sorgfältige Auswahl von Futtermitteln, die ordnungsgemäße Lagerung und eine sorgfältige Bearbeitung in einem modernen Mischfutterwerk mit entsprechendem Qualitätsmanagementsystem sichern einen günstigen hygienischen Status. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass industriell hergestellte Mischfutter im Hinblick auf die hygienische Beschaffenheit den übrigen Futtermitteln überlegen sind.

Anforderungen an Futtermittel für Sportpferde
  • Deckung des Nährstoffbereichs für Erhaltung und Leistung
  • Eiweiß: aber hohe biologische Wertigkeit
  • Stärke: hohe Verdaulichkeit
  • Fett: Erhöhung der Energiedichte
  • Mineralstoffe: Ausgleich des Elektrolytverlustes (Na), Stressdämpfung
  • Spurenelemente: Mangel <-> Fe, Cu, Se <-> Überschuss (evtl. toxisch)
  • Vitamine: Versorgung vor allem mit Vitamin E, B-Verbindungen

Krippenfutter "Kraftfuttermittel" Einzelfuttermittel z.B. Hafer, Gerste, Mais, Luzernegrünmehl

Mischfutter - zum Haferersatz
- zu Stroh ("Alleinfutter")
- zu Heu und Hafer
- Ergänzungsfutter f. Sportpferde
  • Mineralfuttermittel (mind. 40 % Rohasche)
  • Diätfuttermittel
- zum Ausgleich von Elektrolytverlusten
- gegen Stresssymptome
- zur Regulation der Dünndarmverdauung
- zur Regulation der Dickdarmverdauung

  • Vitaminpräparate

Zusammenfassung
  • Mischfuttermittel decken den Bedarf an Nährstoffen, Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen bzw. ergänzen sinnvoll die Aufnahme aus der Raufutterration.
  • Eine industrielle Bearbeitung verbessert die Akzeptanz, die Verdaulichkeit und den hygienischen Status von Futtermitteln.
  • Durch industriell hergestellte Futtermittel wird eine angepasste Versorgung an die Leistungshöhe unabhängig von der Jahreszeit und der Region möglich.
  • Die Pferdehalter erwarten ein vielfältiges Angebot an Futtermitteln, aus dem sie sich nach Sportart und Pferdetyp spezielle Futtermittel auswählen können.
  • Im Hochleistungssport (u.a. Rennen und Vielseitigkeit) sind noch nicht alle Möglichkeiten einer wissenschaftlich begründeten Rationsgestaltung ausgeschöpft. Ähnlich wie beim Training bestehen noch Reserven bei der Optimierung. Hier ist in Zukunft noch stärker die Zusammenarbeit zwischen Sport, Wissenschaft und Industrie gefordert.


 Die kleine Futtermittelkunde
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