25 % Umrauscher?
Datum : 2008-11-27
von : Herbert Nehf |
| Der aktuelle Praxisfall: „Was mache ich falsch?“ |
| Chronische Harnwegsinfektionen ließen in einem Praxisbetrieb die Umrauschquote und die Ferkelverluste in die Höhe schnellen. Prof. Dr. Michael Wendt schildert die Sanierungsmaßnahmen. (Stiftung Tierärztlicher Hochschule, Hannover) |
| Ferkelerzeuger Wilfried Wiehner (Name geändert) stockte im letzten Jahr die Sauenherde von 200 auf 300 Tiere auf. Doch seit einigen Monaten ist der Wurm drin. Denn neben einigen Aborten und einer Reihe von totgeborenen Ferkeln ist die Umrauschrate deutlich in die Höhe geschnellt. Auch die Saugferkelverluste haben stetig zugenommen. Hat der Futterwechsel den Stein ins Rollen gebracht oder liegt es am neuen Jungsauenlieferanten? Zunächst werden mit dem Tierarzt die aktuellen Sauenplanerdaten des letzten halben Jahres besichtigt. Die Umrauschquote liegt bei 25 %! Auch die Totgeburtenrate ist mit 9,5 % deutlich zu hoch. Zwar ist die Abortrate mit 1,5 % noch nicht Besorgnis erregend, aber die 19% Ferkelverluste sind jedoch alles andere, als akzeptabel. Der Hoftierarzt und der Landwirt vereinbaren kurzfristig eine ausführliche Bestandsuntersuchung. Bei der Bestandsbegehung werden sämtliche Stallabteile kontrolliert. Problemtiere werden gekennzeichnet und über das Management im Stall wird diskutiert. Mit der Kondition der Sauen ist der Tierarzt zufrieden. Lediglich zwei Sauen, die kürzlich abortiert haben, sind offensichtlich in einem extrem schlechten Ernährungszustand. Das kann im Einzelfall der Grund für das Verferkeln sein. Auffällig ist, dass im Abferkelstall mehrere Sauen leichten eitrigen Ausfluss zeigen. Zum Erstaunen des Landwirtes, haben einzelne Tiere sogar Fieber, obwohl eine normale Futteraufnahme erfolgt. Ein Blick in den Deckkalender zeigt, dass die Problemsauen fast immer regelmäßig umrauschen. Die betroffenen Sauen leiden bei der Besamung häufig unter Ausfluss. Chronische Gebärmutterentzündung vermutet Eitriger Schleim aus dem Gebärmuttermund bei einzelnen Tieren weist eindeutig auf eine Entzündung des Uterus hin. Der Tierarzt vermutet, dass das Hauptproblem chronische Gebärmutterentzündungen sind, die nach der Geburt entstehen. Denn wenn sie nicht rechtzeitig und ausreichend behandelt werden, sind dadurch oftmals MMA-Probleme vorprogrammiert. Die Folge: Die Sauen leiden unter Milchmangel. Das würde auch erklären, warum so häufig Ferkel erkranken und kümmern. Denn wenn die Neugeborenen keine Kolostralmilch aufnehmen können, fehlen ihnen die mütterlichen Antikörper, um Krankheiten erfolgreich abzuwehren. Sauen mit chronischer Gebärmutterinfektion können aufgrund der Schleimhautveränderungen im Uterus nicht tragend werden. Nun ist auch klar, warum so viele Sauen regelmäßig umrauschen und dabei auch noch Scheidenausfluss zeigen. Um den Problemen auf den Grund zu gehen, sammelt der Landwirt Harnproben bei den Sauen. Viele Proben sind getrübt und weisen flockige Beimengungen auf. Eine Probe enthält sogar Blut. Die Auswertung der Proben durch den Tierarzt ergibt, dass mindestens ein Viertel aller Sauen unter einer Harnwegsinfektion leidet. Obwohl bei keinem Tier das Allgemeinbefinden gestört ist. Die Laborergebnisse ergaben, dass sowohl in den Tupfer-, als auch in den Harnproben sind vorwiegend Escherichia coli-Keime zu finden. Darüber hinaus wurden auch Streptokokken gefunden. Besonders gefährdet sind Tiere, die während der Trächtigkeit an einer Blaseninfektion erkrankt sind und mit dieser Blasenentzündung in den Abferkelstall eingestallt werden. Bei der Sau mit dem blutigen Harn wurde der Erreger Actinobaculum suis gefunden. Dieser Keim siedelt sich häufig im Vorhautsack des Ebers an. Bei infizierten Sauen befällt der Erreger häufig nicht nur die Blase, sondern auch die Nieren. Nierenversagen und plötzliches Verenden können die Folge sein. Auch für das gehäufte Auftreten von Blasenentzündungen bei den tragenden Sauen finden die beiden bald eine Erklärung. Denn bei der Kontrolle weise etliche Tränkenippel zu geringe Durchflussraten auf. Statt der geforderten 1 – 1,5 Liter pro Minute (im Abferkelstall 21/min) spenden einige Nippel nur einen Knappen halben Liter Wasser pro Minute. Antibiose über das Futter Um die Probleme in den Griff zu bekommen entwerfen Wiehner und der Hoftierarzt einen Schlachtplan:
1. Infektionsdruck im Abferkelstall senken durch konsequentes Rein-Raus bei der Stallbelegung 2. Reinigung und Desinfektion 3. Rechzeitiges Umstallen in den Abferkelstall 4. Sauen zuvor gründlich waschen 5. Kot aus dem Liegebereich entfernen 6. Rechtzeitiger Kontakt zwischen Alt- und Jungsauen 7. Geburtsvorbereitende Fütterung, um Verstopfungen zu vermeiden 8. Geburtseinleitung ab dem 115. Trächtigkeitstag 9. Geburten intensiver überwachen, um bei Geburtsschwierigkeiten rechtzeitig eingreifen zu können; nach der Geburt Sauen noch intensiver beobachten 10. Futteraufnahme akribisch überwachen; zweimal täglich Fieber messen, auf Ausfluss und Gesäugeveränderungen achten 11. Stets Wasser zur freien Verfügung stellen (Nippeltränken kontrollieren, um defekte Tränken rechzeitig instand zu setzen) 12. Haltungsbedingungen verbessern (trockene, saubere Liegeflächen; Bewegungsmöglichkeit); Mangelnde Stallhygiene begünstigt kotverschmutzte Genitalregionen und das Entstehen aufsteigender Infektionen. 13. pH-Wert im Sauenharn kontrollieren |



















25 % Umrauscher?
