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 Eber-Mast: Was kommt auf die Praktiker zu? 
Datum : 1.7.09  von :
Bringen Eber bessere Mastleistungen?
Der Schlachtriese Tönnies gibt bei der Eber-Mast kräftig Gas. Doch sollten die Mäster mitmachen? Erste Praxis-Erfahrungen schildert Dr. Friedhelm Adam, Landwirtschafts-kammer NRW.
Die Eber-Mast ist derzeit in aller Munde. Das hat zwei Gründe:

1. Die Branche hat sich in der „Düsseldorfer Erklärung“ das Ziel gesetzt, mittelfristig auf die Kastration zu verzichten.
2. Das Schlachtunternehmen Tönnies sucht derzeit verstärkt Eber-Mäster, um Erfahrungen mit Eber- Schlachtkörpern zu sammeln.

Bringen Eber bessere Mastleistungen?

Den Vorstoß von Tönnies sehen Fachleute vom Grundsatz positiv. Gleichzeitig mahnen sie aber zur Vorsicht. Denn bisher ist unklar, wie Fleisch von männlichen, unkastrierten Tieren beim Verbraucher ankommt.

Die Ergebnisse der Tiere mit 115 kg Mastendgewicht zeigen, dass die Unterschiede bei den Tageszu-nahmen minimal sind. Bei der Futterverwertung hatten hingegen die Eber klar die Nase vorn. Sie verbrauchten im Mittel je kg Zuwachs 0,4 kg Futter weniger als die Börge. Zudem fraßen die Eber im Mittel fast 400 g Futter am Tag weniger, als die Kastraten. Die bessere Futterverwertung ist vor allem auf den verstärkten Flei-schansatz und den verminderten Fettansatz der unkastrierten Tiere zurückzuführen. Denn der Fleischansatz benötigt weniger Energie.

Bei der Schlachtkörperverwertung bestachen die Eber durch ihren hohen Muskelfleischanteil, der im Rahmen der Untersuchung sowohl durch eine grob gewebliche Zerlegung, als auch durch FOM ermit-telt wurde. Mit knapp 60 % MFA nach der Zerlegemethode schnitten die Eber im Mittel um gut sechs Prozentpunkte besser ab als die Börge. Die FOM-Ergebnisse zeigten Knapp 4 % zugunsten der Eber.

Das Nachsehen hatten die Eber allerdings bei der Ausschlachtung. Der Unterschied ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass bei den Ebern in der Schlachtung die Geschlechtsorgane entfernt wer-den.

Erste Ergebnisse aus der Praxis

Ein Mäster aus Ostwestfalen hat im letzten Jahr neben weiblichen Tieren rund 500 Eber aufgestallt. Der Betrieb hält die Schweine in 15er Buchten mit Sattfütterung am Breiautomat.

Die Ergebnisse:

  • Mit Tageszunahmen von gut 720 g blieben die Eber hinter dem mittleren Leistungsniveau des Betriebes zurück.
  • Bei der Futterverwertung lagen die unkastrierten männlichen Tiere mit 1:3,16 unter dem Niveau des Betriebes.
  • Die mittlere tägliche Futteraufnahme konnte mit 2,28 kg den Betriebsmittelwert nicht erreichen.
  • Die Ausschlachtung lag mit 78 % auf dem erwarteten, etwas niedrigeren Niveau als der Betriebs-schnitt (79 %).
  • Die Eber zeigten vor allem in der Endmast eine deutlich größere Aktivität.

Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu beachten, dass am Ende des Durchgangs gesundheitliche Probleme auftraten. Zudem wurden die Eber „nur“ mit Standard-Mastfutter versorgt. Besonders in der Mittelmast könnte es daher zu einem Proteinmangel gekommen sein.

Es fällt auf, dass die unkastrierten Schweine beim Schinken und der Schulter höhere Anteile aufwei-sen. So umfasst der Schinken bei den Ebern 19,6 % des Schlachtkörpers, bei den Vergleichstieren nur 18,9 %. Der Bauch hat bei den Ebern im Vergleich einen geringeren Anteil.

Nach der Schlachtung der Schweine hat ein Sensorik-Team eines externen Labors auch den Geruch von Fleisch- und Fettproben bewertet. Sie stellten bei gut 85 % der rund 500 Tiere keine Geruchsab-weichung fest.

Ergänzend zur geruchlichen Bewertung wurde der Skatol-, Indol- und Androstenongehalt im Nacken-speck der Eber gemessen. Vor allem beim Skatol waren tendenzielle Zusammenhänge zur sensorischen Bewertung des Flei-sches zu erkennen.

Eber-Mast nur für wenige Betriebe rentabel

Die Wirtschaftlichkeit wurde mit der Direktkosten freien Leistung je Mastplatz anhand eines Betriebs-modells kalkuliert. Die Kalkulation des Schlachterlöses erfolgt mithilfe des aktuellen Angebots von Tönnies an seine E-ber-Mäster. Das heißt: Die Tiere werden zum Festpreis je kg Schlachtgewicht bezahlt, der vier Cent unter ZMP-Notierung liegt.

Die Wirtschaftlichkeit der Eber-Mast hängt sehr stark von der erzielten Futterverwertung ab. Eine Stei-gerung der Direktkosten freie Leistung ist nur möglich, wenn sich die Futterverwertung um mindestens 0,3 Punkte verbessert.
Hingegen führt eine Optimierung der Futterverwertung um „nur“ 0,2 Punkte sogar zu finanziellen Ein-bußen. Bei einem Futterpreis von 20 €/dt verliert der Modellbetrieb in diesem Fall knapp 4 € je Mast-platz im Vergleich zur herkömmlichen Mast.